Ya se acabó [Bolivien & Kolumbien]

Vier Wochen, die wie im Flug vergangen sind, zurück in Deutschland. Umzug nach Köln vollzogen. Zeit für ein fotografisches Round-up. Zeit, Bilanz zu ziehen.

Bolivien war in gewisser Weise ein Nach-Hause-Kommen. Gerade in Sucre wirkte alles sehr vertraut, viele Wege konnte ich tatsächlich noch aus dem Kopf ablaufen. Auch La Paz war vertraut und doch anders, da sich diese Stadt einfach stärker gewandelt hat. Die Landschaften gerade in der Salzwüste sind absolut einzigartig und raubten mir auch bei diesem zweiten Besuch den Atem. Die zwei Wochen waren voll gepackt mit unglaublichen Landschaften und Städten. Kräftezehrend war es, das permanente Pendeln zwischen 3000 und 4700 Höhenmetern hat dem Körper viel Kraft abverlangt. Ich hatte gegenüber Georg noch den Vorteil, dass ich das Meiste dieses Trips bereits kannte und mir damit das Gewitter an Eindrücken und Erfahrungen weniger Kraft abverlangt hat. Insgesamt war es angenehm, dass die Bolivianer auch weiterhin Touristen als „normale Menschen“ betrachten und wir somit nie das Gefühl hatten, dass uns jemand über den Tisch ziehen wollte. Gelegenheiten dazu hätte es zu Hauf gegeben, aber es schien keinem in den Sinn zu kommen, von uns Mondpreise zu verlangen (die Gringos haben es ja…), stattdessen zahlten wir immer den gleichen Preis wie jeder Bolivianer auch. Davon abgesehen haben sich die meisten Preise (in Bolivianos) innerhalb der letzten sechs Jahre nicht erhöht, gerade Busfahrten und Preise in Restaurants sind quasi die gleichen wie noch 2011.

Kolumbien hat mich gerade retrospektiv vom Hocker gehauen. Das Land ist so unglaublich vielfältig und dabei haben wir tatsächlich ja nur einen kleinen Teil überhaupt gesehen. Ich hatte fast keine Vorstellung bzw. Erwartung an unsere zwei Wochen dort, da ich mich in der Planung mit auf Bolivien fokussiert hatte und Kolumbien für mich mehr ein Überraschungsei war. Medellin und Bogota als Städte sind unglaublich und gerade von Bogota hätte ich gerne viel mehr gesehen. Zwar haben sich die Kolumbianer gerade in Bogota über das tägliche Chaos beschwert, von dem, was wir zum Beispiel in La Paz gesehen haben, steht Bogota für eine Neun-Millionen-Stadt aber noch ziemlich gut da. Medellin beeindruckte vor allem durch seine Stadtentwicklung und die vielen unterschiedlichen Aspekte, die wir in knapp vier Tagen erleben konnten. Die Landschaften sowohl in der Karibik als auch um Neiva herum sind atemberaubend, so etwas habe ich noch nicht gesehen.

Fast noch mehr haben mich aber die Menschen beeindruckt: Wir haben (neben den Leuten, die wir schon kannten) so viele Menschen getroffen, die einfach unglaublich freundlich und hilfsbereit waren. Zwar wurden wir gerade in Kolumbien vielfach ohne Grund auf der Straße mit dem schönen Wort „Gringo“ angepöbelt und genervt. Doch sobald wir mit den Menschen auch nur minimal ins Gespräch gekommen sind, herrschte immer eine lockere und freundliche Atmosphäre, viele waren ehrlich daran interessiert sich normal mit uns zu unterhalten. In Cartagena hat uns das im Rückblick ziemlich den Arsch gerettet, ohne die Hilfe der Menschen in unserer Nachbarschaft hätten wir es vermutlich ernsthaft riskiert, überfallen zu werden. Hier zeigt sich meiner Ansicht auch wieder, wie sinnvoll – im Grunde notwendig – es ist, gut Spanisch zu sprechen, wenn man durch Lateinamerika reist. Dies hat uns ermöglicht, uns auch außerhalb der Touristen-Hotspots zu bewegen (siehe Tiwanaku und wie erwähnt Cartagena oder Neiva) und so ein deutlich differenziertes und individuelleres Bild der Länder zu bekommen.

Fazit: Kolumbien werde ich wohl alsbald nochmal bereisen, denn diese zwei Wochen waren im Grunde nur ein Kratzen an der Oberfläche dieses tollen Landes!

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Demos el ultimo paso [Bogota]

Wir haben über die letzten vier Wochen eine Menge guter Tipps und Infos von anderen Reisenden bekommen, wo man wie viel Zeit verbringen kann/soll, aber diese letzte Info zu Bogota war Mist. Unabhängig voneinander hieß es mehrfach, dass für Bogota ein bis zwei Tage ausreichen, wirklich begeistert von der Stadt war niemand. Ganz ehrlich kann ich diese Einschätzungen nicht teilen und hätte hier mindestens vier volle Tage durch die Stadt tingeln können. Es gibt schlichtweg so viel zu sehen, ich könnte mich alleine einen Tag lang nur mit den Graffiti beschäftigen, die über weite Teile der Stadt verstreut sind. Möglicherweise war für viele Leute Bogota der erste Stop in Lateinamerika, natürlich erschlägt einen dann eine Neun-Millionen-Stadt, aber im Vergleich zu dem, was wir zum Beispiel aus La Paz gewohnt sind, was das tägliche Chaos, Sauberkeit und das allgemeine Stadtbild angeht, ist Bogota zumindest in den zentralen Vierteln super angenehm. Sicherlich spielt für uns hier auch hinein, dass wir einen guten Teil der Zeit mit Kolumbianern im Studentenviertel verbrachten (mit diesen aber nicht die Stadt erkundeten, sondern Fußball schauten und feierten).
Bogota ist eine angenehme Hauptstadt, hat ähnlich wie Mexiko Stadt sowohl an Museen als auch als Stadt viel zu bieten. Die Stadt ist insofern spannend, als dass oftmals Elemente nicht zueinander passen: Hochhäuser hinter historischen Bauten, zum Teil wild zusammengewürfelte Baustile der letzten hundert Jahre. Besonders sichtbar wird dies am Plaza San Victorino dieser (gar nicht mal so schöne) Platz ist umgeben von unterschiedlichsten Gebäuden: Restaurierte wie verwitterte Bauten im kolonialen Stil und Bausünden verschiedener Epochen (zum Teil auch bereits wieder halb verfallen). Das macht die Stadt zwar nicht ästhetisch schön, aber doch spannend, interessant und lohnenswert zu erkunden. Das wenige, was wir gesehen haben, hat mich definitiv überzeugt, hierher zurück zu kommen. Leider haben wir tatsächlich nur wenig der Stadt gesehen, da uns Papst Franziskus einen Strich durch die Rechnung machte: Der Papst begann seine Kolumbien-Reise am Tag unseres Abflugs nach Deutschland, entsprechend war die Stadt bereits am Tag vorher eifrig mit den Vorbereitungen beschäftigt: Das Regierungsviertel wurde nach und nach abgeriegelt, zentrale Plätze wurden bestuhlt und Hauptverkehrsachsen geschlossen. Zudem dreht die Bevölkerung frei, jeder möchte den Papst mindestens bei einer Vorbeifahrt, besser noch bei einer Messe sehen, die Stadt stand also Kopf.
Wir haben daher mehr Zeit in Bars und bei Freunden verbracht und uns so die Zeit vertrieben. Wenn es heißt Land und Leute kennenzulernen, dann war zweites definitiv der Fokus in der Stadt (und das war auch gut so!)

Off the beaten path [Neiva Desierto Tatacoa]

Mit Neiva haben wir den totalen Gegensatz zu Cartagena erreicht: Die Stadt liegt 300km südlich von Bogota und hat an sich nicht sonderlich viel zu bieten. Entsprechend verirrt sich auch sonst kein Tourist hierhin. Wir sind hierher gekommen um Carlos, einen Freund von Georgs zweitem Semester in Mexiko zu besuchen und um ein paar ruhige Tage zu verleben. Dies gelingt uns hier ganz gut. Carlos Familie besitzt ein Restaurant, entsprechend gibt es hier leckeres kolumbianisches Essen und wir sind ein wenig in der Region unterwegs. Neiva liegt quasi auf der Grenze zwischen einer feuchteren tropischen Region im Süden und einer Wüstenregion im Norden. Diese „Desierto Tatacoa“ haben wir in einem schönen Sonntagsausflug ein wenig erkundet und bestaunt. Die Wüste ist ein ehemaliges Urmeer, entsprechend finden sich hier regelmäßig versteinerte Fossilien aller Art, die Landschaft besteht zumeist aus Sandstein. Es ist faszinierend, wie viel hier doch noch wächst und grünt, obwohl dies ein tatsächlich unwirtlicher Ort mit trockenen dreißig Grad ist. An einer Stelle hat es sich eingebürgert kleine „Wunsch-Türme“ aus den herumliegenden Steinen zu bauen, an einer anderen Stelle finden sich viele kleine, kugelige Kakteen, dessen schotenförmige Früchte sehr süß und saftig sind und den hiesigen Vögeln als Nahrungsquelle dienen. Die Landschaft ist atemberaubend, das Klima verändert sich aus Neiva kommend innerhalb von dreißig Fahrminuten von angenehm warm in trocken und heiß und wir waren fast die einzigen Europäer in der gesamten Wüste. Kein Touri-Hotspot, aber somit genau das, was wir gebraucht haben und trotzdem absolut sehenswert.