Erkaufte Mobilität

Die Idee zu einem Faltrad hatte ich schon einige Zeit lang, nur war ich mir weder sicher, welche Art/Ausrüstung ich wollte, noch wollte ich dafür 600 Euro ausgeben (oder mit einem Aldi-Rad eine halbgare Lösung wählen). Mit der Zeit kristallisierte sich heraus, dass mir für die Stadt wohl ein einfaches Rad mit wenigen Gängen und einer einfachen Ausstattung genügen würde. Am Ende wurde es noch reduzierter: ein gebrauchtes Dahon My Uno. Ich war schon skeptisch, ob das Single Speed (nur ein Gang) von der Übersetzung her auch meinem Fahrstil und meinen Ansprüchen an das Tempo genügen würden. Aber für ein drei Jahre altes Rad war es super günstig, das Risiko hielt sich also in Grenzen.

Nachdem ich einige Kleinigkeiten noch ausgebessert hatte, habe ich das Rad vergangenes Wochenende das erste mal auf eine größere Tour mitgenommen. Samstag morgen. Mit dem Rad runter zum Stuttgarter Bahnhof, in drei Griffen zusammengeklappt und im Gepäckfach des IC verstaut (Falträder zählen idR als Gepäckstück und nicht als Rad!). Ab nach Köln. Hier bin ich dann das gesamte Wochenende mit dem Rad herumgefahren und habe es entsprechend ausführlich gefahren und getestet. In Summe bin ich super zufrieden mit dem Rad, die Mobilität, die ich mir damit für Städtetrips erkauft habe, ist unglaublich. Ich bin nicht vom Radverleih oder den Öffis abhängig und kann die Stadt auf und mit dem Rad erkunden bzw. super schnell von A nach B kommen. Auch das Thema Single Speed löste sich recht schnell in Luft auf: Zwar erfordert das Anfahren erwartungsgemäß etwas mehr Kraft, aber die Beschleunigung nach dem ersten Anfahren ist unbeschreiblich. Ich spüre in der Beschleunigung fast keinen Unterschied zu meinem großen Rad. Die Übersetzung ist super flexibel, selbst kleinere Anstiege sind kein Problem und auch der Topspeed stellt mich super zufrieden. Einzige Schwierigkeit stellen  Kopfsteinpflaster und schlechte Straßen dar: Durch die kleinen 20 Zoll Felgen hoppelt es doch merklich bzw. ich musste mich stark darauf konzentrieren, Löchern und Gegenständen auszuweichen. Nichtsdestotrotz macht es unglaublich viel Spaß, die Zeitersparnis auf allen Wegen und die neuen Möglichkeiten der Stadterkundung werden das Rad wohl zu einem häufigen Begleiter auf kommenden Touren machen.

Das alternative München

In München kann ein alternativer Lebensstil kostspielig sein.
Süddeutsche Zeitung

Genau auf die Suche nach diesem alternativen Lebensstil haben wir uns letzten Samstag gemacht und wir waren erfolgreich! Man darf natürlich keine Umgebung/Szenerie wie in Hypezig-Plagwitz oder Tübingen erwarten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns im schicken München befinden, waren diese Orte schon recht alternativ.

Erster Anlaufpunkt war die Brauerei Hopfenhacker, welche in einem kleinen Hinterhof im Münchner Osten  Craftbeer braut. Hier gibt es lediglich eine kleine Verkaufsstelle, verkostet wird das Gebräu unter freiem Himmel im beengten Innenhof. Das Bier schmeckt gut, der Maibock war sehr würzig, aber wie die SZ schon schrieb: Alternatives Leben in München muss man sich leisten können (in diesem Fall liegt es vermutlich aber nicht am Ort, sondern eher am Produkt, dass es preislich doch recht gehoben ist).

Das zweite Ziel war ein ehemalige Industrie-Gelände am Ostbahnhof, welches schon länger Kreativen, Hippen und Party-Gängern ein Areal bietet, um sich auszuleben. Seit Anfang dieses Jahres stehen am Eingang einige alte Schiffscontainer, welche sowohl eine Bar und ein Club als auch Räume für Designer und Manufakturen bieten. Man sieht, dass der ältere Teil tatsächlich mal aus einer Besetzung/ ungefragten Nutzung der Fabrikhallen entstanden ist, wohingegen der neue Teil recht sauber durchgebrannt und gebaut wurde.

Danach ging es über Giesing  (wo die 60er künftig wieder spielen) und über den Ostfriedhof in die Giesinger Brauerei. Diese als alternativ zu bezeichnen, würde dem Ort Unrecht tun, aber sie ist eine der Brauereien, welche eben zu den kleinen Münchens gehört und entsprechend keine große Reichweite hat. Gegründet 2006 in einer Garage in Giesing gibt es jetzt bereits ein schönes backsteinernes Brauhaus mit Terrasse, wo man sehr leckere Weizen und Helle zum super fairen Preis bekommt.

Weiter ging es mit einem Abstecher zum Schiff auf der Eisenbahnbrücke. Tatsächlich steht in Sendling ein ausgemustertes Schiff auf einer ehemaligen Eisenbahnbrücke, welches nun zu einem Club/Kulturschiff ausgebaut werden soll. Ich bin sehr gespannt, ob dies und wie dies in der Folge geschieht, gerade der Zugang zu dem Schiff wird wohl aufwändig, da ein paar Meter weiter noch aktive Gleise verlaufen. Falls diese Idee tatsächlich so umgesetzt wird, kann dies auf jeden Fall zu einem der coolen Orte im Osten werden, gerade wenn der Hype sich nach einiger Zeit wieder gelegt hat.

Zum Abschluss sind wir noch im Backstage am Hirschgarten eingekehrt. Beim gigantisch anmutenden Postverteilerzentrum (es könnte auch ein Hangar sein) auf einem ehemaligen Bahngelände liegt ein Veranstaltungsort/ Strandbar ohne Wasser/ Biergarten, in welchem es die Möglichkeit gibt, selber zu grillen. Ein gut gemauerter Grill und fette Tische/Bänke landen dazu ein, Fleisch, Salate (und Besteck etc.) mitzubringen und in gemütlicher Atmosphäre den Abend zu genießen. Es ist dafür gesorgt, dass man  nur von innen nass wird (Pavillons im Sitzbereich und die Maß Helles für unter sieben Euro) und sollte mit bis zu vier Leuten auch abends noch relativ entspannt einen Platz finden.

Rundum hätte ich nicht erwartet, dass wir innerhalb eines Tages doch so viele coole Orte in München finden, die aus dem „traditionsbewussten und traditionspflegenden“ Raster herausfallen. Es zeigt sich jedoch, dass München außerhalb des touristischen/ historischen Kern doch noch einiges mehr zu bieten hat. Was mich dazu auch gefreut hat, sind die recht gut ausgebauten Radwege/ Radstraßen, auf welchen wir am Samstag knapp 35km verbracht haben (da steht Stuttgart tatsächlich um einiges schlechter da).

Bild

Frankfurt Westend und Uni Campus